Günther Förg

Chronologie

1952

Am 5. Dezember 1952 wird Günther Stephan Förg in Füssen im Allgäu als vierter Sohn des Zollbeamten Michael Förg und der Hausfrau Leonie Förg geboren.

1973–1979

Förg beginnt ein Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste München, an der bereits sein älterer Bruder Hubert eingeschrieben ist. Er studiert bei Karl Fred Dahmen, einem prominenten Vertreter des deutschen Informel.

Förg als Student in der Akademie der Bildenden Künste München

1973

Im Sommer sieht Günther Förg eine Ausstellung von Werken des US-amerikanischen Malers Cy Twombly im Münchner Lenbachhaus. Stark beeindruckt von dessen konsequenter Vorgehensweise produziert Förg in den folgenden Jahren von 1973 bis 1976 jede Woche ein graues Bild.

1998 beschreibt Förg die Bedeutung von Grau in seinen Bildern: „Es geht mir bei den grauen Bildern nicht um eine Farbwirkung im herkömmlichen Sinne, sondern um eine Art von Abwesenheit, eine Leere, die den Raum für die Reflexion des Betrachters öffnet.“

Günther Förg, Ohne Titel, 1974, Dispersion auf Nessel, 137 × 170 cm

1976–1978

Förg experimentiert mit verschiedenen Bildträgern und Farben. Es entstehen erste farbige Bilder auf Nesselstoff, Blei, Aluminium, Kupfer und Holz. Zu dieser Zeit hat das Werk des 1977 früh verstorbenen Beuys-Schülers Blinky Palermo einen großen Einfluss auf Förgs Arbeitsweise. Die Palermo-Ausstellung Dokumentation der Wandzeichnungen in der Münchner Galerie Friedrich von 1978 nennt Förg als entscheidenden Auslöser, sich der Wandmalerei zuzuwenden.

Günther Förg, Ohne Titel, 1977, Öl auf Aluminium, 8-teilig, je 95 × 90 cm, Installationsansicht Akademie der Bildenden Künste München, 1977, Foto: Günther Förg

1979

Förg nimmt an der von Max Hetzler, Ursula Schurr und Hans-Jürgen Müller in Stuttgart organisierten Schau Europa 79 mit einer blau-gelben Wand-Deckenmalerei teil. Anspruch der Ausstellung war, „ein möglichst repräsentatives Spiegelbild der Avantgarde“ (Hans-Jürgen Müller) vorzustellen. Es nehmen Künstler*innen aus Belgien, Deutschland, England, Frankreich, Griechenland, Italien, den Niederlanden, Österreich, Schweiz und Spanien teil. Die Ausstellung erfährt breite öffentliche Resonanz. Das Kunstforum International widmet Europa 79 einen eigenen Sonderband.

Günther Förg, Wandmalerei Europa 79, Stuttgart, 1979, Plakafarbe, zweiteilig: Decke 330 × 800 cm, Wand 350 × 800 cm, Foto: Kunstforum International Bd. 36

1980

Günther Förg streicht in der Galerie Rüdiger Schöttle in München bei seiner ersten Soloschau im leeren Hauptraum die Decke grau. Das Grau mischt Förg nach eigenen Angaben mit einem Anteil von jeweils 50 % Weiss und Schwarz an. Im Hinterzimmer stellt er eine vierteiligen Fotoarbeit aus, die ausschnitthaft Szenen aus dem Film Le Mépris (Die Verachtung) von Jean-Luc Godard zeigen. Daneben hängt sein erstes Stoffbild, ein rotes, auf Keilrahmen gespanntes Fahnentuch. Die konzeptuelle Grundhaltung und die gattungsübergreifende Bandbreite seiner künstlerischen Arbeit wird bereits in dieser Präsentation deutlich.

In der Zeit nach dem Studium verdient Förg seinen Lebensunterhalt mit Malerarbeiten. Dabei sammelt er Erfahrungen mit Farbwirkung, Oberflächen und Farbauftrag, die ihm für seine eigene künstlerische Praxis zugutekommen.

Förg beim Übermalen der Wandmalerei Graue Decke, Galerie Rüdiger Schöttle, München, 1980, Foto: Christin Losta

1981

Günther Förg wendet sich der Fotografie zu. Erste Frauenporträts und Architekturfotos entstehen. Eine Italienreise führt ihn nach Rom und Capri, wo er die Villa des Schriftstellers Curzio Malaparte fotografiert, die von Adalberto Libera, einem bedeutenden Architekten des italienischen Rationalismus entworfen wurde. Anlass ist Förgs Bewunderung für den Film Le Mépris von Jean-Luc Godard, der in der Villa Malaparte spielt.

Günther Förg, Villa Malaparte Capri, 1983, Farbfotografie auf Aluminium kaschiert, 36,5 × 50 cm

Im gleichen Jahr stellt Förg zum ersten Mal in der Galerie Max Hetzler in Stuttgart aus. In der Ausstellung mit dem Titel Junge Kunst aus Westdeutschland sind unter anderem auch Werner Büttner, Isa Genzken, Martin Kippenberger, Albert Oehlen und Günter Tuzina vertreten, die in der Folgezeit zu Förgs engem Künstlerzirkel zählen.

Horst Schuler, Günter Tuzina, Günther Förg, Wim van Krimpen, Isa Genzken bei der Eröffnung der Ausstellung 5 deutsche in der Galerie van Krimpen Amsterdam, 1982, Foto: Annette Kopp geb. Rössle

Förg beginnt Porträtfotografien mit Farbflächen und -streifen auf Aluminiumplatten zu kombinieren.
Es folgt eine Einzelausstellung in der Galerie van Krimpen in Amsterdam. Zum ersten Mal präsentiert Förg Fotografien auf Wandmalerei. In seinen Ausstellungen arbeitet Förg durch den Einsatz verschiedener Gattungen und Materialien die Wechselbeziehungen von Betrachter*in, Bild und Raum sowie Architektur heraus.

Günther Förg, Monika (Alubild), 1982, Acryllack und Fotografie auf Aluminium, 100 × 400 cm

1982

In einem leerstehenden Großraumbüro in München zeigt Förg zusammen mit Wolfgang Flatz die Rauminstallation Büro Orange. Im Text zur Ausstellung beschreibt Förg seine Vorgehensweise: „Es ist ganz einfach. Man macht etwas. Man schaut sich einen Raum an und überlegt sich etwas dazu. Es gibt Hunderte von Möglichkeiten, hier etwas zu machen, und eine davon nimmt man. […] Es sind immer die Kleinigkeiten und Zufälle, die die Arbeit bestimmen. Man geht spazieren oder spricht mit Freunden, sieht eine Farbe und benützt sie – nichts weiter. […] Dann ein Foto von einem Mädchen mit großem Chinesenhut. […] Das Foto ist bereits so in Stuttgart und Amsterdam gezeigt worden. Aber für mich ändert es sich immer wieder. Es ist nie fest, sondern immer nur ein Ausschnitt. Die eine Aufnahme unter anderen, ein Film.“

Förg bei der Installation der Ausstellung Büro Orange, München 1982, Foto: © Roland Fischer/2025, ProLitteris, Zurich

1983

In seiner zweiten Einzelausstellung in der Galerie Rüdiger Schöttle und seiner ersten institutionellen Ausstellung im Studio F in Ulm präsentiert Förg seine Fotografien erstmals in großformatigen Holzrahmen. In der Ulmer Schau kombiniert er Frauenporträts mit Fotografien italienischer Architektur des Rationalismus. Während die Porträts Nähe und Intimität vermitteln, fordern die monumentalen Architekturen Distanz ein.

Im gleichen Jahr zieht die Galerie Max Hetzler von Stuttgart nach Köln um.

Installationsansicht Studio F, Ulm, 1983, Foto: Günther Förg

1984

Förg nimmt an der von Kasper König kuratierten Gruppenausstellung von hier aus in der Messe Düsseldorf teil, bei der u.a. auch Marina Abramović, Anselm Kiefer, Georg Baselitz, Joseph Beuys, Hans Haacke, Katharina Fritsch, Blinky Palermo, Sigmar Polke, Albert und Markus Oehlen, Martin Kippenberger, Imi Knoebel, Thomas Schütte und Nam June Paik vertreten sind. Förg zeigt auf einer roten, mit senkrechten Streifen rhythmisierten Wandmalerei Fotografien der Fensterpartien des Haus Esters in Krefeld, welches 1927/28 von Mies van der Rohe entworfen wurde und zu den herausragenden Beispielen des Neuen Bauens zählt.

Günther Förg, Wandmalerei „von hier aus“, 1984, Wandfarbe; Haus Esters, Krefeld, 1984, 200 × 290 cm, Farbfotografie, gerahmt; Haus Esters, Krefeld, 1984, 290 × 200 cm, Farbfotografie, gerahmt, Installationsansicht von hier aus, Messe Düsseldorf 1984, Foto: Hans Zywicki

Günther Förg lernt seine spätere Frau, die Malerin Ika Huber, in der Galerie Fred Jahn in München kennen.

Weitere Fotoreisen nach Norditalien zu verschiedenen Bauten des italienischen Rationalismus folgen. 

Zu seiner Einzelausstellung im Kunstraum München erscheint der erste umfangreiche Katalog. Zudem zeigt die Galerie Max Hetzler in Köln ihre erste Einzelausstellung von Günther Förg.

Günther Förg, Ohne Titel (Ika), 1985, Silbergelatine auf Barytpapier, Holzrahmen, Fensterglas, 180 × 120 cm

1986

Die Kunsthalle Bern zeigt eine vielbeachtete Einzelausstellung mit großformatigen Fotografien und Wandmalereien. Förg platziert erstmals einen Spiegel zwischen die Fotografien, um so Betrachter*in, Raum und Werk noch stärker miteinander zu verschränken.

Im gleichen Jahr stellt Förg zusammen mit Reinhard Mucha und Bernd und Hilla Becher erstmals in der New Yorker Galerie Luhring, Augustine & Hodes aus. 

Installationsansicht Günther Förg, Kunsthalle Bern, 1986, Foto: © Vida Burkhard/Fotostiftung Schweiz

Eine Serie von horizontal ausgerichteten Farbfeldern auf Holz entsteht für eine Ausstellung in der Galerie Max Hetzler in Köln. Im gleichen Jahr entstehen die ersten Bronzereliefs für eine Ausstellung in der Galerie Grässlin-Ehrhardt in Frankfurt.

Günther Förg, Ohne Titel, 1986, Öl und Acryl auf Sperrholz, 60 × 200 cm

1987

Förg zeigt in seiner Einzelausstellung im Museum Haus Lange in Krefeld Fotografien der Glastüren der Wiener Villa Wittgenstein sowie eine Serie von 32 Bleibildern, die im Jahr zuvor entstanden sind. Hier dekliniert er exemplarisch die verschiedenen Möglichkeiten der geometrischen Teilung der Fläche durch.

Neben den Werkgruppen der Fotografie und der Wandmalerei entwickelt Förg verstärkt seine Malerei auf Bleiblech weiter. Dabei trifft die dünn aufgetragene, flächige Malerei auf die skulpturale Qualität des Bleis.

Günther Förg in Köln, 1984, Foto: Wilhelm Schürmann

1988

Umsiedlung nach Colombier in der französischen Schweiz. Förg bezieht zum ersten Mal nach der Akademiezeit ein eigenes Atelier, zunächst am Neuenburger See. 1996 erwirbt Förg ein größeres Studio in dem eine halbe Autostunde vom See entfernten Le Locle.

Das Gemeentemuseum in Den Haag richtet eine umfassende Schau mit Bleibildern, Fotografien, Bronzereliefs und -stelen sowie Papierarbeiten aus.

Günther Förg in seinem Atelier in Le Locle, Schweiz, Ende der 1990er Jahre Foto: Michael Neff

1989

Ausstellungstournee in den USA mit Stationen im Newport Harbor Art Museum, San Francisco Museum of Modern Art und Milwaukee Art Museum mit Bronzestelen, Bleibildern und Fotografien.

Günther Förg erfährt in der Folgezeit große Anerkennung in den USA. Mit 36 Jahren ist er eine anerkannte Größe in der internationalen Kunstszene. Er pflegt Kontakt zu einigen US-amerikanischen Künstlern wie Christopher Wool, Lawrence Weiner oder Larry Clark.

Von 1988 bis 1990 entstehen erstmals großformatige Zeichnungen auf Canson-Papier.

Installationsansicht Newport Harbor Art Museum, 1989

1990

Förg zeigt in der Galerie Hetzler und der Renaissance Society der University Chicago die 14-teilige Bronzerelief- und 54-teilige Monotypieserie Stations of the Cross, die sich auf die gleichnamige Werkserie von Barnett Newman bezieht.

Günther Förg, Stations of the Cross, Galerie Max Hetzler, Köln, 1990. Foto: Courtesy Galerie Max Hetzler, Berlin | Paris | London | Marfa

Im gleichen Jahr Auftakt einer Wanderausstellung am Fridericianum Kassel, die im folgenden Jahr im Museum van Hedendaagse Kunst Gent, im Museum der bildenden Künste Leipzig sowie in der Kunsthalle Tübingen fortgesetzt wird. Teil dieser Ausstellungen ist ein Block von 22 großformatigen Bleibildern.

Installationsansicht Fridericianum Kassel, 1990, Foto: Wilhelm Schürmann

1992

Förg erhält eine Professur für Malerei an der neu gegründeten Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, die er bis 1999 wahrnimmt.

Im gleichen Jahr zeigt der Kunstverein München eine Einzelausstellung mit 1990 entstandenen Bronzestelen und Bronzemasken. Es ist der Auftakt von Förgs bildhauerischer Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper. In der Folgezeit entstehen verschiedene Körperteile wie Hände, Knie oder Füße sowie anthropomorphe Plastiken in Gips, Bronze und Steinguss. Bezüge zur Tradition der modernen Bildhauerei wie beispielsweise zum Werk von Alberto Giacometti werden deutlich.

Günther Förg, in seinem Atelier in Karlsruhe, 1994, Foto: Jürgen Zimmermann

1993

Angeregt durch Edvard Munchs Spätwerk arbeitet Förg an der Serie der „Gitterbilder“, die er im Laufe seiner Karriere immer wieder aufgreift.

Arbeitsgrundlage seiner Beschäftigung mit der Kunstgeschichte und dem Werk anderer Künstler*innen sind drei umfangreiche Bibliotheken, die sich an seinen Wohn- und Arbeitsorten befanden. Eine dieser Bibliotheken mit ca. 3000 Titeln ist heute im Besitz der Stiftung zur Förderung zeitgenössischer Kunst in Weidingen in der Südeifel.

In seinem Werk lassen sich Einflüsse von beispielsweise Cy Twombly, Robert Ryman, Barnett Newman, Clyfford Still, Joan Mitchell, Philip Guston, Willem de Kooning und Jean Fautrier ablesen. Daneben spielt die Literatur eine wichtige Rolle für sein Arbeiten. In den frühen Jahren liest er Thomas Bernhard, später entstehen z.B. Bilderzyklen zu den Cantos von Ezra Pound.

Günther Förg, Ohne Titel, 1993, Acryl auf Cotton Duck, 290 × 480 cm

Geburt der Tochter Cécile und Heirat mit Ika Huber.

Zur retrospektiven Ausstellung Fotografien 1982–1992 des Werkbundes erscheint ein Katalog zu den Fotografien des italienischen Rationalismus.

Günther Förg mit seiner Tochter Cécile, 1994, Foto: Ika Huber

1994

In der Gesellschaft für Gegenwartskunst Augsburg zeigt Förg ein großes Konvolut von Ölpastellen auf Büttenpapier. Darin breitet er sein bisher erarbeitetes Formenvokabular aus und kombiniert es neu. Neben abstrakten Formen finden sich auch landschaftliche und figürliche Motive. Hier zeigt sich Förgs spielerischer Umgang mit Motiven, Formaten, Techniken und Materialien.

Günther Förg, Ohne Titel, 1994, Ölpastell auf Ingres Büttenpapier, 31 × 24 cm

1995

Förg reist nach Moskau, um die Bauten der russischen Architektur-Avantgarde zu fotografieren. Es entstehen Fotoarbeiten zum Wohn- und Atelierhaus von Konstantin Melnikov oder zum Palast der Kultur von Leonid, Viktor und Alexander Vesnin.

Im gleichen Jahr richtet das Stedelijk Museum Amsterdam die erste umfassende Retrospektive aus. Förg hat inzwischen ein vielfältiges Werk geschaffen, das Wandmalerei, Fotografie, Malerei, Skulptur, Papierarbeiten und Grafik beinhaltet.

Günther Förg, Atelierhaus Melnikov, Moskau, 1995, C-Print, 180 × 270 cm

1996

Förg wird mit dem Wolfgang-Hahn-Preis ausgezeichnet, den die Gesellschaft für Moderne Kunst am Kölner Museum Ludwig jährlich an international anerkannte Künstler*innen verleiht.

Der Kunstverein Hannover zeigt zusammen mit der Orangerie Herrenhausen einen mehr als 100 Arbeiten umfassenden Überblick über das Werk von Günther Förg.

Im gleichen Jahr entsteht eine Fotoserie zum bis dahin nicht öffentlich zugänglichen IG-Farben-Haus in Frankfurt.

Günther Förg, 1996, Foto: Michael Neff

1997

Doppelausstellung Binary Star mit seinem langjährigen Freund, dem Schweizer Künstler, Kurator und Verleger Johannes Gachnang in der Galerie Bärbel Grässlin in Frankfurt. Günther Förg zeigt Bilder, die von Willem De Koonings später Malerei und dem Werk von Karel Appel inspiriert sind.

Günther Förg, Ohne Titel, 1997, Acryl und Kohle auf Holzplatte, 120 × 100 cm

1998

Auftakt einer Wanderausstellung im Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid. Weitere Stationen sind in den Folgejahren das Institut Valencià d’Art Modern und das Arken Museum of Contemporary Art in Ishøj.

In den folgenden Jahren entstehen verstärkt Fensterbilder in unterschiedlichen Variationen. Das Motiv des Fensters ist bei Förg schon seit den 1980er Jahren als Schnittstelle zwischen zwei Welten präsent: Mal gibt es den Blick frei, mal verschließt es sich. Ein Referenzpunkt ist hier die Arbeit "Fresh Widow" von Marcel Duchamp aus dem Jahr 1920. Variationen des Fensterthemas zeigt Förg in der Ausstellung "Fenster, die fehlen" in der BAWAG Foundation in Wien.

Günther Förg, Ohne Titel, 2002, Acryl auf Leinwand, 220 × 220 cm

1999

Günther Förg tritt eine Professur an der Akademie der Bildenden Künste, München an, die er bis zu seinem Tod innehat.

Im selben Jahr produziert er Portfolios mit Monotypien zu verschiedenen Texten u.a. von Robert Creeley und Ernst Krenek.
In der Folgezeit experimentiert Förg verstärkt mit der Technik der Monotypie, die seiner Vorliebe für schnelles serielles Arbeiten und der spielerischen Variation von Motiven entgegenkommt.

Günther Förg, Robert Creeley, White Fence, 1999, Monotypie auf Papier, 58 × 100 cm

2000–2001

Für die Ausstellungen in der Galerie Luhring Augustine, New York, und in der Deutsche Guggenheim, Berlin, entstehen wandfüllende Leinwandarbeiten von bis zu zwölf Metern Länge. Der Bezug zur New York School der amerikanischen Farbfeldmalerei wird nicht nur über die Titel (Coney Island), sondern auch über die Verwendung der vertikalen „Zips“ deutlich, mit denen Barnett Newman seine Farbflächen teilte. Förg bedient sich aus dem Formenreservoir der Moderne und eignet es sich auf seine Weise an.

2001 zeigt das Kunsthaus Bregenz und das The Artists’ House in Jerusalem Einzelausstellungen. Fotoserien über die Avantgarde-Architektur in Istanbul, Ankara, Tel Aviv und Jerusalem entstehen.

Günther Förg, Coney Island II, 2000, Acryl auf Leinwand, 3-teilig, je 290 × 320 cm, Installationsansicht Luhring Augustine, New York, 2000, Foto: Lamay Photo

2002–2003

Der langjährige Sammler und Freund Reiner Speck gibt als Hommage zum 50. Geburtstag von Günther Förg einen Katalog mit Beiträgen zahlreicher Wegbegleiter*innen Förgs heraus. Das Buch erscheint unter dem Titel Laissez un message 2005 im Snoeck Verlag.

2003 wird Günther Förg das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Günther Förg und Reiner Speck, 1999, Foto: GAECHTER+CLAHSEN, Fotografen

2004

Zur Ausstellung make it new in der Kunsthalle Recklinghausen entsteht ein Katalog, der einen Großteil der maßgeblichen Texte zum Werk von Günther Förg zwischen 1986 bis 2004 versammelt. In der Ausstellung kombiniert Förg Architekturfotografien mit Malerei auf Masonitplatten, die er auf Gestellen im Ausstellungsraum platziert.

Installationsansicht make it new, Kunsthalle Recklinghausen, 2004, Foto: Ferdinand Ullrich

2005–2007

Förg entwickelt seine ersten „Tupfenbilder“ aus den Flecken, die beim Abstreifen des Pinsels auf einem Arbeitsblatt entstehen. Als Anregung dienen Fotos vom Atelier des englischen Malers Francis Bacon, die die Atelierwand und -Tür mit farbigen Flecken übersät zeigen.

Günther Förg in seinem Atelier in Le Locle, 2007

2008

Bei einer Einzelausstellung 2008 im Essl Museum in Klosterneuburg bei Wien präsentiert Förg seine Leinwände teilweise als freistehende Raumteiler. Es erscheint ein erster, umfangreicher Katalog zur neuen Werkgruppe der Tupfenbilder, gefolgt von zwei weiteren aufwändig produzierten Katalogen Back and Forth und Aller Retour im Snoeck Verlag.

Installationsansicht Günther Förg – Back and Forth, Essl Museum, 2008

2010

Im Januar erleidet Günther Förg einen Schlaganfall. Künstlerisches Arbeiten ist nur noch eingeschränkt möglich. Es entsteht keine Malerei mehr.

Die Galerie Bärbel Grässlin zeigt Bilder aus den beiden vorangegangenen Jahren. Die Tupfen verdichten sich in den späten Bildern zu größeren Farbfeldern. Die Leinwände werden im schmalen Panoramaformat zusammengestellt.

Installationsansicht Günther Förg, 2010, Galerie Bärbel Grässlin, Frankfurt, Foto: Wolfgang Günzel

2011–2012

Eine retrospektive Ausstellung in der Galerie Max Hetzler versammelt Werke aus den Jahren 1987 bis 2011.

Im Jahr darauf stellt Günther Förg nach zwölfjähriger Pause erstmals wieder in New York, in der Galerie Greene Naftali aus. Er zeigt seine Tupfenbilder zusammen mit späten grauen Bildern.

Installationsansicht Günther Förg, Greene Naftali, New York, 2012, Courtesy Greene Naftali, New York

2013

An seinem 61. Geburtstag, dem 5. Dezember 2013, stirbt Günther Förg an den Folgen einer Krebserkrankung im Kreis seiner Familie zu Hause in Freiburg im Breisgau. Er wird auf dem Friedhof Günterstal beigesetzt.

Günther Förg, 2012, Foto: Cécile Huber


Alle Werkabbildungen: © Estate Günther Förg, Suisse / 2025, ProLitteris, Foto: Bernhard Strauss